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Bis ins 20. Jahrhundert war Karate für viele
ein Geheimnis, und die Erforschung seiner Geschichte ist aufgrund fehlender
Dokumente ausgesprochen schwierig. Seine Ursprünge gehen zurück bis ins 6.
Jahrhundert n. Chr., als der buddhistische Mönch Bodhidharma, auch bekannt als
Daruma, eine weite und gefährliche Reise von Indien zum Shaolin-Tempel im
südlichen Zentralchina unternahm, um die Lehren des Buddhismus zu verbreiten. Um
seine Anhänger im Hinblick auf die strengen Anforderungen der Meditation stark
und widerstandsfähig zu machen, schrieb er Übungen vor, die möglicherweise
ursprünglich aus nur 18 Stellungen bestanden. Dieses System entwickelte sich
dann zum Shorinji-Kempo, einem der acht Stile des Wai-Chia, einer Art des
chinesischen Boxens. Der Buddhismus gelangte später – im 12. Jahrhundert – nach
Japan und mit ihm wahrscheinlich auch eine Form der Selbstverteidigung, die das
Shorinji-Kempo sein könnte. Es wird angenommen, dass sowohl Shorinji-Kempo als
auch Wutang – das ist einer der sechs Stile des Nei-Chia, einer anderen Art des
chinesischen Boxens – noch vor dem 15. Jahrhundert nach Okinawa gelangten.
Zweifellos wurde das Karate in Okinawa begründet. Viele haben die Legenden und
Erzählungen durchforscht und über die Geschichte dieser Selbstverteidigungskunst
geschrieben. Eine der ersten und vollständigsten Aufzeichnungen liegt mit
Meister Gichin Funakoshis autobiographischer Schrift "Karate-do – Mein
Lebensweg" vor.
Ein Erziehungsbeamter machte 1902 den
Vorschlag, Karate in den Lehrplan einiger Schulen in Okinawa zu integrieren.
Hier begann die Geschichte des modernen Karate. Im Jahre 1906 gaben Funakoshi
und seine Schüler die erste öffentliche Vorführung in Okinawa. Funakoshi, der
dort eine Tang-Te-Schule leitete, hatte mit seinen Vorführungen soviel Erfolg,
dass er 1922 nach Japan eingeladen wurde, und sich dort niederließ.
Die Idee des »Bu-shi-do« ist als »Weg
des Kriegers«, schon seit dem frühen Mittelalter tief in der japanischen
Gesellschaft verwurzelt. Schließlich ist Karate eine Kampfkunst, die wie der
»Weg des Schwertes« sich später in einen Massensport umwandelte. Diese
Bedingungen herrschten vor, als Karate 1922 in Tokio eingeführt wurde. In "
Karate-do – Mein Lebensweg " schrieb Meister Funakoshi: »Shuto
bedeutet Schwerthand ...sie ist wie ein scharfes Stahlschwert.« Der Vergleich
zwischen Karate-do und Kendo zeigt erstaunliche Ähnlichkeiten.
Meister Funakoshi hatte eigentlich
beabsichtigt, wieder nach Okinawa zurückzukehren. Er blieb dann aber doch wegen
der starken Nachfrage nach seinen Vorführungen und Lehrunterweisungen weiterhin
in Tokio, und reiste später durch Japan. Er eröffnete 1922 ein Dojo im Meisei
Juku – einem Wohnhaus für Studenten aus Okinawa –, und im November desselben
Jahres wurde sein Buch » Ryukyu Kempo: Karate « veröffentlicht. Nun vollzog sich
die Umwandlung von einer Kampfkunst in eine Sportart. Zwei von Funakoshis
Lehrern hatten die Betonung auf zwei unterschiedliche Aspekte beim Karate
gelegt. Meister Yasutsune Azato, sein erster Lehrer, hatte zu ihm gesagt: » Wenn
du Karate ausübst, dann betrachte deine Arme und Beine als Schwerter.«, während
Meister Yasutsune Itosu ihm geraten hatte, seinen Körper so zu trainieren, »
dass er jedem Angriff standhalten kann, ganz gleich, wie kraftvoll dieser auch
ist.« Meister Funakoshi akzeptierte beide Standpunkte. Er legte großen Wert auf
den geistigen Aspekt der Kampfkunst und vertrat zugleich die Idee, dass das
Karate »einfach genug aufgebaut sein sollte, um ohne übertriebene Schwierigkeit
von jedermann ausgeübt werden zu können«. Er betonte ferner, dass » Karate-do
nicht nur ein Sport ist, der Stöße und Tritte lehrt, sondern auch ein Schutz
gegen Krankheit und Schwäche«.
Von 1922 an bis zur Veröffentlichung von »
Karate-do Kyohan « im Jahr 1935 war die bedeutendste Zeit des Karate, wie wir es
heute kennen. Viele der Kata wurden verändert, und zwar von sehr schwierigen,
komplexen Formen zu solchen, die von Karatesportlern aller Altersgruppen
ausgeführt werden konnten. Die Namen der Kata wurden geändert, und ältere, aus
Okinawa stammende Bezeichnungen in modernere und leichter verständliche
umgewandelt: Pinan, Naifanchi und Seishin, zum Beispiel, wurden zu Heian, Tekki
und Hangetsu. Die Kyu- und Dan-Grade wurden nach und nach
eingeführt, aber die chinesische Schreibweise von Karate wurde weiterhin
beibehalten. Obgleich er auf Widerstand traf, drängte Funakoshi zur Änderung des
Schriftzeichens von "China-Hand" in "Leere-Hand". Dies war von großer Bedeutung,
weil dies den Wandel in der Kampfkunst von den Techniken (Jutsu) des
Okinawa-Karate zum Karate-do, dem »Weg des Karate«, ausdrückte. Diese Änderung
wurde schließlich akzeptiert.
In der heutigen Zeit wird Karate weltweit
anerkannt und ausgeübt. Sportliche Wettkämpfe sowohl in den Formen (Kata) als
auch im Zweikampf (Kumite) finden auf regionaler, nationaler und
internationaler Ebene statt. Darüber hinaus stellt Karate ein wichtiges
Konditionstraining für Zehntausende Nicht-Wettkämpfer beider Geschlechter und
aller Altersklassen dar. Der Grund für die wachsende Popularität des Karate kann
darin gesehen werden, dass das Training großen Nutzen bringt. Die beiden
wichtigsten Faktoren sind die Verbesserung der physischen Kondition und die
Entwicklung von Selbstverteidigungsfertigkeiten. Es ist wahrscheinlich, dass
dies immer schon ein Bestandteil des Karatetrainings war, aber es scheint auch
plausibel, dass sich die Rangordnung in der modernen Zeit umgekehrt hat. Weitere
Ziele des Karate sind, die Selbstdisziplin zu stärken und damit auch die
Selbstkontrolle, Verletzungen vorzubeugen sowie Ausdauer, Kondition, Kraft und
Beweglichkeit zu verbessern.
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